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Seit mehreren Wochen verteidigt Borussia Mönchengladbach nun die Tabellenspitze – doch wie realistisch ist es, dass sie dort auch noch am letzten Spieltag stehen werden und sich nach 42 Jahren erneut als Meister feiern dürfen? Ich habe mal einige Aspekte rausgesucht, die dafür sprechen, dass die Schale 2020 an den Niederrhein geht.

Eingespieltes Team

Die Hauptakteure der Fohlen spielen seit Jahren zusammen. Allein Patrick Herrmann (im Verein seit 2008), Oscar Wendt (seit 2011), Christoph Kramer (mit Unterbrechung seit 2013), Routinier Raffael (seit 2013), Yann Sommer (seit 2014) und Kapitän Lars Stindl (seit 2015) spielen bereits mehrere Saisons zusammen und sorgen für die Sicherheit und Führung in der Mannschaft. Selbst die Trainerwechsel, immerhin vier in den letzten fünf Jahren, sorgten für keinen ernsthaften Abbruch hinsichtlich sportlicher Leistungen. Und: Die Borussia ist breit aufgestellt, jede Position mindestens doppelt besetzt. Verletzungen können somit gut kompensiert werden.

Trainer Marco Rose

Einige Bundesligisten bemühten sich um den gebürtigen Leipziger, doch Rose schenkte die Rose der Mönchengladbacher Borussia. Bei RB Salzburg machte der 43-Jährige europaweit von sich Reden, schaffte er mit den Österreichern doch den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Rose wurde während seiner Mainzer Zeit von Jürgen Klopp trainiert, dieser prägte ihn spielerisch wie menschlich. Wie der Liverpooler Coach steht Rose für einen Spielstil mit schnellem Umschalten nach Balleroberung. Spieler wie Patrick Herrmann, Denis Zakaria und Laszlo Benes profitieren von dem neuen Stil ungemein. Zudem gilt er als perfekter Motivator. Mit der Situation Tabellenführung umzugehen weiß Marco Rose nur zu gut aus seiner Zeit in Salzburg, wo er mit seinem Team 2x Meister wurde – beste Voraussetzung, es jetzt mit einer qualitativ hochwertigeren Mannschaft auch zu schaffen!

Doppelbelastung kein Problem

Auch wenn es international gegen Wolfsberg (1:4) überraschend einen auf den Deckel gab, hat das Rose-Team noch immer alle Trümpfe in der Hand. Und ganz offensichtlich ist der Drei-Tages-Spielrhythmus sogar förderlich für die Elf vom Niederrhein: Borussia Mönchengladbach gewann alle Bundesliga-Partien, die in einer Europa-League-Woche stattfanden. Im DFB-Pokal ist man dagegen ausgeschieden, wenn auch denkbar knapp (1:2 in Dortmund).

Positives Umfeld

Der letzte Titelgewinn liegt nun über 24 Jahre zurück. 1995 feierte Gladbach den Gewinn des DFB-Pokals. Immerhin: Mit Abstiegskampf hat man am Niederrhein ja schon seit einer halben Ewigkeit nichts mehr zu tun. Der jüngste Erfolg der Fohlen versetzt alle Anhänger in einen regelrechten Rausch. So viele Fans wie diese Saison zählten die Borussen vor allem bei Auswärtsfahrten noch nicht. Die Anhänger, die Gladbach beim letzten Meistertitel im Jahr 1977 deutschlandweit dazu gewonnen hatte, können eine für nicht mehr für möglich gehaltene Erfolgsära erleben. Diese Euphorie versetzt der Mannschaft natürlich noch mal einen positiven Push.

Sportdirektor Max Eberl

Klar, die Borussia hatte in den letzten fünf Jahren auch namhafte Abgänge zu verkraften (Xhaka, Dahoud, Thorgan Hazard, Vestergaard), konnte diese aber immer nahezu lückenlos kompensieren. Eberl, der seit zwölf Jahren für die Zusammenstellung des Gladbacher Kaders verantwortlich ist, identifiziert sich mit dem Klub und seinen Aufgaben zu 100 Prozent. Seit Amtsantritt bewies er stets das richtige Händchen (Oder fällt euch – von Luuk de Jong mal abgesehen – ein Fehleinkauf der Borussia in den letzten sieben Jahren ein?). Aus unentdeckten Talenten wurden Leistungsträger, die meist mit einem satten Transferplus verkauft wurden. Außerdem ist er jemand, der mutig agiert und auch mal Entscheidungen trifft, die man erst nicht nachvollziehen kann – bisher haben sie sich aber meist ausgezahlt, wie zum Beispiel beim Trainerwechsel von Dieter Hecking zu Marco Rose.

Schwächelnde Konkurrenz

Ein weiterer Vorteil für die Borussen ist die schwächelnde Konkurrenz. Die Topfavoriten aus München und Dortmund sind nach der überraschenden Niederlage der Gladbacher bei Union Berlin zwar wieder dicht an den Fersen, allerdings scheint gerade der BVB noch längst nicht zurück in der Spur zu sein. Die Bayern hingegen scheinen unter Hansi Flick zur alten Form zu finden, von daher wird das Gipfeltreffen am 7. Dezember im Borussia-Park möglicherweise wegweisend. Auf Platz zwei rangiert RB Leipzig, die das Hinspiel in Mönchengladbach gewannen, im Monat Oktober aber kein einziges Liga-Spiel für sich entscheiden konnten.

All diese Punkte lassen die Borussia-Fans hoffen, die Saison nach langer Durststrecke endlich wieder als Meister abzuschließen. Mal sehen, wie lange sie ihre Spitzenposition behaupten. Die hier genannten Gründe sprechen durchaus dafür, dass am 34. Spieltag eine schwarz-weiße Raute von ganz ganz oben grüßt. Bleibt nur noch ein Problem: Das Mönchengladbacher Rathaus besitzt keinen Balkon! Diesen bietet lediglich das Rathaus des 1975 eingemeindeten Ortes Rheydt.