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Es ist über 15 Jahre her als in Deutschland nahezu jeden Monat ein neuer Fußballtempel fertiggestellt wurde. Im Hinblick auf die WM im eigenen Land gab’s neue Mega-Arenen in Gelsenkirchen und München. Andernorts wurden traditionsreiche Stadien umgebaut, erweitert und modernisiert, etwa in Leipzig, Dortmund, Hannover, Frankfurt und Berlin. Es löste einen regelrechten Bauboom in Deutschland aus, der bis in den Unterbau des deutschen Fußballs, bei Dritt- und Viertligisten, anhielt. Wenngleich die Richtfeste für Stadien hierzulande nicht mehr allzu oft stattfinden, kann getrost von der flächendeckend modernsten Stadionlandschaft weltweit gesprochen werden. Aktuell rollen die Bagger hierzulande unter anderem in Freiburg, am Böllenfalltor in Darmstadt, im Karlsruher Wildpark, im Saarbrückener Ludwigspark und bald wohl auch im Berliner Westen, vor allem aber im Ausland. Welche großen Stadionprojekte in den kommenden Jahren realisiert werden (sollen), zeigen wir euch in diesem Artikel.

Japan: Neues Nationalstadion (Fertigstellung noch in 2019)
Noch in diesem Jahr soll der Hauptaustragungsort für die Olympischen Sommerspiele 2020 eröffnet werden. Auf dem Gelände des alten Nationalstadion, also mitten in Tokio im Stadtteil Shinjuku, entsteht seit vier Jahren ein äußerlich eher unspektakulärer Bau mit einer Kapazität für 68.000 Menschen. Äußerlich NOCH unspektakulär, denn im Laufe des nächsten Jahrzehnts soll sich üppiges Grün über die Fassade ausbreiten. Am 1. Januar 2020 geht in der Schüssel das traditionell stets am Neujahrstag stattfindende Fußballfinale des Kaiserpokals über die Bühne. Am Ende wird das neue Nationalstadion mit 1,2 Millarden Euro Baukosten eines der teuersten der Welt sein.

Spanien: Neues Mestalla (geplante Fertigstellung 2022)
Eigentlich sollte der FC Valencia bereits seit neun Jahren im Nou Mestalla seine Heimspiele austragen. In der drittgrößten spanischen Stadt haben sie mit dem neuen Stadion quasi ihren „Berliner Flughafen“, denn so richtig weiß niemand genau, wann die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Die Finanzkrise sorgte dafür, dass dem Klub ein Kredit in dreistelliger Millionenhöhe entzogen wurde, für etwa sieben Jahre stand dort also ein halbfertiger Rohbau im Nordwesten von Valencia. Nun rollen die Bagger wieder, in drei Jahren soll in der dann 61.500 Zuschauer fassenden Arena auch der Ball rollen. Übrigens: Entgegen dem Trend, überall nur noch reine Fußballstadien zu errichten, soll das neue Mestalla auch für Leichtathletik-Wettbewerbe nutzbar sein.

Katar: Lusail Iconic Stadium (geplante Fertigstellung 2022)
Für etwa eine halbe Milliarde Euro wollen die Scheichs des kommenden WM-Gastgeberlandes das Lusail Iconic Stadium aus dem Wüstenboden stampfen. Das äußerlich nahezu kreisförmige Stadion am nördlichen Stadtrand von Doha wird im Innern an das neue Estádio da Luz in Lissabon erinnern. Die Fassade erhält Formen dekorativer Elemente, wie Schalen und Gefäße der arabischen Kultur und wird gold-glitzernd erstrahlen. Ganz nebenbei ist es das größte Stadion in Katar (86.000 Plätze) und soll in drei Jahren Schauplatz für Eröffnungsspiel und Finale sein. Selbst beim Thema „Nachhaltigkeit“ punktet der Neubau, was erst einmal grotesk klingt, wird das Lusail Iconic Stadium doch wie alle anderen WM-Stadion auch klimatisiert. Das Dach soll die Klimatisierung unterstützen, wassersparende Pflanzen aus der Region bilden Grünflächen, um die Luftqualität zu verbessern.

Italien: Neues Mailänder Stadion (geplante Fertigstellung 2023)
Es war die Schocknachricht für alle Fußball-Nostalgiker und Stadionsammler: Das berühmt-berüchtigte Stadio Giuseppe Meazza, besser bekannt als Stadio San Siro, wird dem Erdboden gleich gemacht. Im September veröffentlichten AC und Inter Mailand Pläne für ein neues, gemeinsames Stadion. 1990 bestritt die DFB-Auswahl fünf Spiele auf dem Weg zum WM-Triumph, 2001 gewann hier der FC Bayern die Champions League. 80.000 Zuschauer fasst dieser kolossale Bau mit seinen vier markanten Ecktürmen, doch er ist längst baufällig und soll abgerissen werden. Italiens derzeit größtes Stadion wird noch drei bis vier Jahre stehen, ehe die Abrissbirne kreist und der Neubau der beiden Mailänder Klubs mit 60.000 Plätzen direkt nebenan eröffnet werden soll.

Spanien: Neues Santiago Bernabéu (geplanter Umbau 2023)
Auch die Königlichen planen Großes. Kein Neu-, dafür einen mächtigen Umbau. Dafür will man sogar den historischen Namen Bernabéu opfern, um mittels Sponsorennamen die Umbaukosten zu stemmen. Bereits seit Mai laufen die Arbeiten, zunächst an den Außenfassaden, bis zum Sommer 2020 soll das Dach abgetragen werden, das binnen drei Jahren durch ein letztlich verschließbares Dach ersetzt wird. Im Inneren des Stadions bleibt fast alles so, wie es ist. Sprich: Die Tribünen werden nicht angerührt. Lediglich die Ostgerade wird am oberen Ende um ein paar hundert Plätze ausgebaut. Am Ende wird ein futuristischer, silbern glänzender Palast dort stehen, wo einst hellgrauer Beton war. Knapp 600 Millionen Euro investiert Real Madrid für dieses Projekt.

Niederlande: Neues Feyenoord-Stadion (geplante Fertigstellung 2024)
Auch in der Stadt mit Europas größtem Hafen wird in den kommenden Jahren an einem neuen Mega-Stadion gewerkelt. Das Stadion De Kuip, Finalspielort der EM 2000, hat in spätestens fünf Jahren ausgedient und wird durch einen Neubau direkt an der Nieuwe Maas ersetzt. Die Architekten berücksichtigen beim neuen, 365 Millionen Euro teuren Stadion die Schüsselform, die das De Kuip (zu deutsch: Die Wanne) ausgezeichnet haben. Zudem wird es drei statt bislang zwei Ränge geben. Mit 63.000 Plätzen wird es das größte Stadion der Niederlande.

Deutschland: Neues Hertha-Stadion (geplante Fertigstellung 2025)
Es ist die alte Leier: Der größte Fußballclub aus Deutschlands größter Stadt spielt oft nur vor halbvollen Rängen. Hertha-Manager Michael Preetz ist das schon lange ein Dorn im Auge, denn obwohl die Berliner in einem historischen, aber dennoch sehr modernen „UEFA-Fünf-Sterne-Stadion“ spielen, fehlt dem Olympiastadion die Anziehungskraft. „Ausverkauft“ meldet die Hertha höchstens drei Mal pro Saison. Ein reines Fußballstadion mit geringerer Kapazität (vermutlich etwa 55.000 Plätze) soll her, nach Wünschen des Vereins ganz in der Nähe vom Olympiapark. Doch bekanntlich ziehen sich Bauvorhaben in Berlin gerne in die Länge und so steht bis heute noch nicht einmal der Standort (Tegel? Maifeld? Brandenburg?) fest.