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Die Nachricht schlug am Mittwoch ein wie eine Bombe: Amazon überträgt ab der Saison 2021/22 die Champions League. Wenig später stand fest, dass Sky in anderthalb Jahren die Übertragungsrechte an der Königsklasse komplett abgeben wird. Amazon und DAZN teilen sich dann die Rechte am großen UEFA-Wettbewerb.

Kunden von Amazon Prime Video dürfen sich dann auf die besten Dienstagsspiele der Champions League freuen. Wobei die Freude bei Fußballfans angesichts eines immer unübersichtlicheren TV-Marktes sich doch arg in Grenzen halten dürfte.

Ein Anbieter, alle Spiele – das war ein Mal. Wer alle Spiele von Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal sehen will, muss aktuell zwei Bezahldienste abonnieren. Die Bundesliga wird live derzeit über Sky und DAZN ausgestrahlt. Mit Eurosport, die bis zum Ende der letzten Saison die Freitagsspiele der Bundesliga sowie die Relegation live gezeigt hatten, hat sich immerhin schon ein Wettbewerber aus dem großen Fußballzirkus zurückgezogen.
Bis vor wenigen Jahren warb Sky mit dem Slogan „I want it all“. Diesen Claim könnte das Unternehmen aus Unterföhring bei München schon bald in „we lose it all“ ändern. Ab der Saison 2021/22 wird Sky – Stand jetzt – „nur“ noch den Großteil der Bundesliga sowie die allermeisten DFB-Pokalspiele live und exklusiv im Angebot haben. Hinzu kommen die englische Premier League sowie die Handball-Bundesliga als weitere nennenswerte Live-Inhalte. Kostenpunkt: 24,99 Euro monatlich im ersten, 49,99 Euro monatlich im zweiten Jahr. Streaming-Anbieter DAZN verlor zwar die Deutschland-Rechte an der Premier League, bietet seit dieser Saison allerdings die Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga an. Seit 2018/19 sind zudem die allermeisten Champions-League-Spiele beim „Netflix des Sports“ zu sehen. Wer Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi in der jeweiligen Liga live erleben will, ist ebenfalls bei DAZN zuhause: Die Partien der Serie A und aus LaLiga gibt es live und in voller Länger hierzulande ausschließlich dort. Nachdem der Preis seit dem Start im August 2016 lange Zeit stabil blieb, gab es im Sommer 2019 die erste Preiserhöhung für DAZN-Kunden: Nach dem Gratis-Monat kostet der Zugang aktuell 11,99 Euro im Monat, wobei der Dienst monatlich gekündigt werden kann. Im Jahresabo kostet DAZN aktuell 119,99 Euro.

Und nun steigt auch noch Amazon ein. Mit seinem Streamingportal Prime Video ist der Online-Versandhändler ja schon länger am Start, in Großbritannien hat sich Amazon Prime Video bereits die Exklusivrechte für den Boxing Day der Premier League gesichert. Und in anderthalb Jahren zeigt dann der VOD- und Streamingdienst dann eben auch die Champions League in Deutschland. Unklar ist bisher, ob die Übertragung der Königsklasse im Prime-Abo enthalten sein wird oder ein zusätzliches Abo, etwa über Amazon Channels, abgeschlossen werden muss.

Da stellen wir uns die Grätschefrage: Ist dieser aufgeblähte TV-Markt fair gegenüber dem Fußballfan?

Die Zerstückelung der TV-Rechte wird nicht nur immer unübersichtlicher, sie ist gewiss eine finanzielle Mehrbelastung, für alle die sich eben nicht nur mit den Zusammenfassungen der Sportschau am Samstag um 18:30 abfrühstücken lassen möchten. Viele Fußballinteressierte können und wollen sich das nicht mehr leisten. Und genau das kann der Anfang vom Ende bedeuten.

Entfernt sich der Profifußball durch verschlüsselte TV-Übertragungen und aufgrund eines komplizierten Angebotsgeflecht unterschiedlichster Broadcaster immer weiter von seinen Fans, droht er bedeutungslos zu werden. Das mag sich heute angesichts voller Bundesliga-Stadien niemand vorstellen. Wenn allerdings nicht mal mehr ein Champions-League-Halbfinale mit deutscher Beteiligung im frei empfangbaren Fernsehen läuft, man drei Abos abschließen muss, um Bundesliga und Europapokal zu verfolgen, dann läuft man Gefahr den Volkssport Fußball zu einem Event für Besserverdienende zu machen und es sich Stück für Stück mit der Basis zu verscherzen.