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Freunde, heute in acht Wochen startet die Weltmeisterschaft in Russland. Wir wollen ja nicht drängeln, aber sooooo viel Zeit bleibt nicht mehr, um sich noch für den endgültigen DFB-Kader, der Anfang Juni von Bundestrainer Joachim Löw in einer sicher ganz aufregenden Pressekonferenz bekannt gegeben wird, aufzudrängen. Klar wie Wodka ist schon jetzt: Wer im Verein nicht zum Zug kommt, dürfte auch den Flieger nach Russland verpassen. Sei es aus Verletzungsgründen oder Leistungsschwankungen: Spieler wie Benedikt Höwedes, Julian Weigl oder Yannick Gerhardt rechnen sich wohl selbst kaum Chancen aus, eine der Pritschen im nahe Moskau gelegenen DFB-Quartier Vatutinki zu ergattern.

Nachtigall, ick hör dir TRAPPsen

Einzig und allein für die Torwartposition gilt diese Entschiedenheit des Trainergespann Löw/Schneider nicht. Kevin Trapp und Manuel Neuer kommen in dieser Saison gemeinsam auf ganz sechs Liga-Einsätze. Schmale Bilanz. Ebenfalls klar ist aber auch: Löw wird drei Torhüter für die WM nominieren. Trapp kommt bei PSG jedoch seit einem Jahr nicht mehr an der aktuellen Nummer eins, Alphonse Areola, vorbei. Mit Leverkusens Bernd Leno und dem von Thomas Müller und Hasan Salihamidzic ins Gespräch gebrachten Neuer-Vertretung Sven Ulreich kämpft Trapp um Platz 3 im DFB-Kasten. Der ehemalige Frankfurter und Lauterer ist ungeachtet seiner Reservistenrolle an der Seine noch immer ein Kandidat für die Lückenfüllerposition, die in Brasilien Ron-Robert Zieler inne hatte.

„Koan Neuer“ ist auch koane Lösung

Und Manuel Neuer? Der viermalige Welttorhüter und prämierte Krawattenträger [LINK] hat fast sieben Monate nicht gespielt und ist tatsächlich auch im bereits veröffentlichten WM-Sticker-Album von Panini. Und die Klebe-Italos irren sich bekanntlich selten, wenn es um die exakten Kader bei Weltmeisterschaften geht. Im Ernst: Wohl noch nie in der ewig langen Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes hatte ein Spieler, der in einem WM-Jahr bis acht Wochen vor Turnierbeginn kein einziges Pflichtmatch bestritten hat, seinen Platz im Kader so sicher wie Manuel Neuer. Neuer genießt eine Ausnahmerolle, besitzt einen Schutzstatus wie das britische Königshaus. Löw hält Neuer, gerade auch infolge der Verdienste und Leistungen in den letzten neun Jahren im DFB-Team, den erstbesten Sitzplatz in Reihe 2 des Mercedes-Premiumhochdeckers warm. 

Keine Frage, Neuer ist eine Instanz, erfährt inzwischen vermutlich sogar in der Münchner Südkurve sowas Anerkennung und hat sich das Vertrauen verdient. Löw betonte zuletzt: „Ich gehe davon aus und bin sehr optimistisch, dass Manuel bei der WM dabei sein wird“. Für den heutigen Donnerstag war Neuers Rückkehr ins Mannschaftstraining der Bayern geplant. Das wurde nochmal verschoben. Sicher ist sicher.

Der etatmäßige DFB-Käpt’n erhält bewusst sehr viel Zeit für seine Rückkehr auf den Platz, schließlich sprach Neuer selbst davon, dass eine weitere Fußverletzung womöglich sein Karriereende bedeuten könnte. In einem ungeraden Jahr wäre die Sache somit eigentlich klar: Neuer kuriert die Sache völlig aus und steigt wieder im Juli ins Training beim Rekordmeister ein. Dennoch muss uns die Grätschenfrage erlaubt sein: „Ist ein Manuel N. mit so wenig Spielpraxis reif für die WM?“

Gruß aus Barcelona

Ob Neuer beim Auftakt gegen Mexiko zwischen den Pfosten steht, dazu äußerte sich der Bundestrainer nicht. Mit Marc-André ter Stegen (swaggy abgekürzt: MAtS), macht sich ein zweiter Weltklasse-Keeper Hoffnungen auf Startelfeinsätze beim Geballer in Russland, allerdings ohne dies von Löw einzufordern. Der Barca-Schnapper spielt eine herausragende Saison, ist dort längst Leistungsträger, absolvierte alle Partien in La Liga und wurde von der „Marca“ zum besten Keeper der spanischen Eliteliga hochgelobt.

Zuletzt hatte ter Stergen sogar die Ehre, die Katalanen beim Spiel in Vigo als Kapitän aufs Feld zu führen. Der letzte Deutsche, der das schaffte, war der „Blonde Engel aus Augsburg“ und hieß Bernd Schuster. Es fällt uns aktuell nicht so einfach, sich vorstellen zu müssen, einem ter Stegen, nennen wir ihn liebevoll die „Blonde Bürste vom Niederrhein“ (33 Liga-Spiele, 18 Mal mit weißer Weste), den Rekonvaleszenten Neuer vor den Riechkolben zu setzen.

Hummer oder Kaviar?

Nur damit wir uns richtig verstehen: Es handelt sich um eine pure Luxusdebatte. Ein Neuer auf der Bank wäre wahrlich kein Grund, an den Titelchancen Deutschlands zu zweifeln. Neuer wäre freilich auch nicht der erste Welttorhüter, der bei großen Turnieren die Bank drückt. Auch wenn die Vergleiche hinken mögen: Fragt mal bei den Herren Kahn, Cassilas oder Chilavert nach.

Fest steht: Während Neuers Abwesenheit (letztes Länderspiel am 11. Oktober 2016 gegen Nordirland) ist der sieben Jahre jüngere ter Stegen in Löws internen Ranking gestiegen. Der ehemalige Gladbacher ist zuverlässig und kann wie Neuer den Fußball aus der Abwehr heraus spielen lassen, aber auch den Ball über die zweite und dritte Linie spielen. Kurzum: Ist Neuer fit, dann muss er mit! Unter den von uns darstellten Vorbehalten sollte allerdings ter Stegen zum Stammtorhüter für die WM erklärt werden!