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Endlich ist der Fußballosten zurück auf der Landkarte der Bundesliga. Mit Union Berlin rückt nach einer halben Ewigkeit mal wieder ein Verein nach ganz oben, der eine DDR-Vergangenheit hat. Warum diese Entwicklung?

Die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland ist auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch präsent. Politisch, wirtschaftlich und auch im Fußball. Auf dem Gebiet der DDR leben heute 13,9 Millionen Menschen, etwa sieben Millionen weniger als in NRW – der vielzitierten Herzkammer des deutschen Fußballs. Der Unterschied: In Nordrhein-Westfalen sind in der laufenden Saison nicht weniger als sieben Erstligisten beheimatet. Aus den neuen Ländern spielt mit Union Berlin gerade einmal ein „echtes“ Ost-Team im Zirkus der Großen mit. Zehn Jahre, nachdem sich mit dem FC Energie Cottbus der letzte Verein aus den neuen Bundesländern aus der Beletage des deutschen Fußball verabschiedete, fegt mit den Ostberlinern nun also wieder frischer Wind ins Oberhaus. Rein geografisch sind Hertha BSC und RB Leipzig natürlich auch dem Osten zuzuordnen, allerdings haben diese Klubs keine Ost- oder gar DDR-Vergangenheit. Und damit wir uns richtig verstehen: Das medial beschönigte Label „Ostderby“ hat die Partie zwischen der Alten Dame und dem Konstrukt aus Fuschl am See (Österreich) / Filiale Leipzig so wenig verdient wie ein Unrechtsstaat eine Fußball-Weltmeisterschaft.

Angesichts dieser Fakten stellen wir die Grätschenfrage und wollen wissen: Ist der Osten abgehängt?

Blick nach Berlin-Köpenick: Nach dem 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart hat man sich nicht nur im Berliner Osten „gefreut wie Bolle“, schließlich kam mit den Eisernen ein überregional nicht unbeliebter, sogenannter Arbeiterverein (von Schlossern einst als Union Oberschöneweide gegründet) mit atmosphärisch überragendem, emotional aufgeladenem Anhang und vergleichsweise kleiner Geldbörse in die Bundesliga. Quasi die gesamte Dekade spielte sich der Profifußball zwischen Ostsee und Erzgebirge bestenfalls in der 2. Liga, meist aber in der 3. Liga ab.

Aus der letzten DDR-Oberligasaison von 1990/91 spielen lediglich Union, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, Hansa Rostock und der 1. FC Magdeburg, der Chemnitzer FC, der Hallesche FC, der FSV Zwickau und Carl-Zeiss Jena im besagten bezahlten Fußball. Neun von 46 Profiklubs in den ersten drei Ligen. Andere Ost-„Größen“ wie Lok Leipzig, der BFC Dynamo, Rot-Weiß Erfurt oder Chemie Leipzig dümpeln mitunter seit geraumer Zeit in den Niederungen der Regional- oder Oberliga. Einen echten Absturz erlebten Stahl Brandenburg und Vorwärts Frankfurt, die heute in der Oberliga oder – im Falle der Oderstädter – in der sechstklassigen Brandenburg-Liga spielen.

Misswirtschaft, Selbstbereicherung, raffgierige West-Klubs und mangelndes Know-how können als Gründe dafür genannt werden, dass nach 1991 es nicht ein einziger Ostklub über die Liga in den Europapokal geschafft hat. Hauptschuld an der Misere haben allerdings nicht zuletzt die wirtschaftlichen Verhältnisse. Nun mag die Lebensqualität in Potsdam und im Berliner Umland heute sicher höher sein als etwa in Gelsenkirchen, da im Speckgürtel der Hauptstadt mehr Kohle unterwegs ist als jemals im Ruhrgebiet gefördert wurde. „Fußball ist immer ein Spiegelbild der ortsansässigen Wirtschaft“, sagte der Thüringer und Ex-Gladbach-Coach Hans Meyer, der damit vor allem die ländlichen Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt meint, die nach der Wende besonders unter dem Zusammenbruch der einheimischen Wirtschaft litten und sich bis heute kaum erholten. Genau da liegt die Krux: In den neuen Ländern sucht man an nahezu allen Ecken nach wie vor stabile Wirtschaftskraft. Und nirgends geht es mehr um Geld als im Spitzenfußball, so viel ist auch klar.

Im Kontrast dazu stehen die wirtschaftlich starken Bundesländer im Süden. Beim Blick auf die Headquarter der DAX-Unternehmen fällt rasch auf: Der Osten ist hier kahl wie der Kopf eines Skinheads. Der von der Bundesregierung entwickelte „Deutschlandatlas“ offenbart große regionale Unterschiede, etwa beim Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigem. Es misst den Wert der erwirtschafteten Waren und Dienstleistungen und ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Auch hier lagen Bayern und Baden-Württemberg 2016 vorn, die ostdeutschen Länder waren im Vergleich zum großen Rest des Landes deutlich abgeschlagen.

Das hat unmittelbar Auswirkung auf den Fußball, gerade im Hinblick auf die Wirtschaftskraft in Bayern und Baden-Württemberg. Fast ein Drittel, nämlich elf der 36 Teams, die aktuell unter dem Dach der DFL kicken, stammen aus diesen beiden Bundesländern.

Union Berlin startet das „Abenteuer“ Bundesliga als klarer Außenseiter, wie nahezu jeder Klub, der erstmals ganz oben anklopft. Es ist davon auszugehen, dass es vorerst bei einem ein- bis zwei-jährigen Gastspiel bleibt. Ja, der Osten ist abgehängt – nach wie vor. Überraschungen wird es im Fußball immer wieder geben, klar. Angesichts der wirtschaftlich dünnen Struktur im Osten werden solch Überraschungen sich aber auf mittelgroße Pokalsensationen oder Aufstiege in die 2. Bundesliga beschränken. Einen Europapokalteilnehmer oder gar einen Deutschen Meister aus den neuen Ländern werden wir auf absehbare Zeit nicht zu Gesicht bekommen.

Endlich ist der Fußballosten zurück auf der Landkarte der Bundesliga. Mit Union Berlin rückt nach einer halben Ewigkeit mal wieder ein Verein nach ganz oben, der eine DDR-Vergangenheit hat. Warum diese Entwicklung?

Die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland ist auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch präsent. Politisch, wirtschaftlich und auch im Fußball. Auf dem Gebiet der DDR leben heute 13,9 Millionen Menschen, etwa sieben Millionen weniger als in NRW – der vielzitierten Herzkammer des deutschen Fußballs. Der Unterschied: In Nordrhein-Westfalen sind in der laufenden Saison nicht weniger als sieben Erstligisten beheimatet. Aus den neuen Ländern spielt mit Union Berlin gerade einmal ein „echtes“ Ost-Team im Zirkus der Großen mit. Zehn Jahre, nachdem sich mit dem FC Energie Cottbus der letzte Verein aus den neuen Bundesländern aus der Beletage des deutschen Fußball verabschiedete, fegt mit den Ostberlinern nun also wieder frischer Wind ins Oberhaus. Rein geografisch sind Hertha BSC und RB Leipzig natürlich auch dem Osten zuzuordnen, allerdings haben diese Klubs keine Ost- oder gar DDR-Vergangenheit. Und damit wir uns richtig verstehen: Das medial beschönigte Label „Ostderby“ hat die Partie zwischen der Alten Dame und dem Konstrukt aus Fuschl am See (Österreich) / Filiale Leipzig so wenig verdient wie ein Unrechtsstaat eine Fußball-Weltmeisterschaft.

Angesichts dieser Fakten stellen wir die Grätschenfrage und wollen wissen: Ist der Osten abgehängt?

Blick nach Berlin-Köpenick: Nach dem 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart hat man sich nicht nur im Berliner Osten „gefreut wie Bolle“, schließlich kam mit den Eisernen ein überregional nicht unbeliebter, sogenannter Arbeiterverein (von Schlossern einst als Union Oberschöneweide gegründet) mit atmosphärisch überragendem, emotional aufgeladenem Anhang und vergleichsweise kleiner Geldbörse in die Bundesliga. Quasi die gesamte Dekade spielte sich der Profifußball zwischen Ostsee und Erzgebirge bestenfalls in der 2. Liga, meist aber in der 3. Liga ab.

Aus der letzten DDR-Oberligasaison von 1990/91 spielen lediglich Union, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, Hansa Rostock und der 1. FC Magdeburg, der Chemnitzer FC, der Hallesche FC, der FSV Zwickau und Carl-Zeiss Jena im besagten bezahlten Fußball. Neun von 46 Profiklubs in den ersten drei Ligen. Andere Ost-„Größen“ wie Lok Leipzig, der BFC Dynamo, Rot-Weiß Erfurt oder Chemie Leipzig dümpeln mitunter seit geraumer Zeit in den Niederungen der Regional- oder Oberliga. Einen echten Absturz erlebten Stahl Brandenburg und Vorwärts Frankfurt, die heute in der Oberliga oder – im Falle der Oderstädter – in der sechstklassigen Brandenburg-Liga spielen.

Misswirtschaft, Selbstbereicherung, raffgierige West-Klubs und mangelndes Know-how können als Gründe dafür genannt werden, dass nach 1991 es nicht ein einziger Ostklub über die Liga in den Europapokal geschafft hat. Hauptschuld an der Misere haben allerdings nicht zuletzt die wirtschaftlichen Verhältnisse. Nun mag die Lebensqualität in Potsdam und im Berliner Umland heute sicher höher sein als etwa in Gelsenkirchen, da im Speckgürtel der Hauptstadt mehr Kohle unterwegs ist als jemals im Ruhrgebiet gefördert wurde. „Fußball ist immer ein Spiegelbild der ortsansässigen Wirtschaft“, sagte der Thüringer und Ex-Gladbach-Coach Hans Meyer, der damit vor allem die ländlichen Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt meint, die nach der Wende besonders unter dem Zusammenbruch der einheimischen Wirtschaft litten und sich bis heute kaum erholten. Genau da liegt die Krux: In den neuen Ländern sucht man an nahezu allen Ecken nach wie vor stabile Wirtschaftskraft. Und nirgends geht es mehr um Geld als im Spitzenfußball, so viel ist auch klar.

Im Kontrast dazu stehen die wirtschaftlich starken Bundesländer im Süden. Beim Blick auf die Headquarter der DAX-Unternehmen fällt rasch auf: Der Osten ist hier kahl wie der Kopf eines Skinheads. Der von der Bundesregierung entwickelte „Deutschlandatlas“ offenbart große regionale Unterschiede, etwa beim Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigem. Es misst den Wert der erwirtschafteten Waren und Dienstleistungen und ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Auch hier lagen Bayern und Baden-Württemberg 2016 vorn, die ostdeutschen Länder waren im Vergleich zum großen Rest des Landes deutlich abgeschlagen.

Das hat unmittelbar Auswirkung auf den Fußball, gerade im Hinblick auf die Wirtschaftskraft in Bayern und Baden-Württemberg. Fast ein Drittel, nämlich elf der 36 Teams, die aktuell unter dem Dach der DFL kicken, stammen aus diesen beiden Bundesländern.

Union Berlin startet das „Abenteuer“ Bundesliga als klarer Außenseiter, wie nahezu jeder Klub, der erstmals ganz oben anklopft. Es ist davon auszugehen, dass es vorerst bei einem ein- bis zwei-jährigen Gastspiel bleibt. Ja, der Osten ist abgehängt – nach wie vor. Überraschungen wird es im Fußball immer wieder geben, klar. Angesichts der wirtschaftlich dünnen Struktur im Osten werden solch Überraschungen sich aber auf mittelgroße Pokalsensationen oder Aufstiege in die 2. Bundesliga beschränken. Einen Europapokalteilnehmer oder gar einen Deutschen Meister aus den neuen Ländern werden wir auf absehbare Zeit nicht zu Gesicht bekommen.