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Fehler gehören zum Sport. Ohne sie macht Wettkampf kaum Sinn. Bei Schiedsrichtern werden oft dennoch andere Maßstäbe angesetzt. Fehlerfrei hat der Referee zu sein, die Entscheidungen müssen nach Ansicht vieler Fans einwandfrei und im Bestfall zugunsten des eigenen Vereins sein. Das ist freilich totaler Käse und ehrlich gesagt, wäre der Fußball um zig Geschichten und Diskussionen ärmer, wenn es keine Fehlentscheidungen von Unparteiischen gäbe. Allein deshalb brauche zumindest ich keinen Videobeweis. Fußball war nie fair, wird er auch nicht mehr werden – selbst nicht mittels Videobeweis. Ein paar dieser Geschichten möchte ich euch hier servieren. Ich habe die für mich 5 kuriosesten Schiedsrichter-Entscheidungen mal zusammen getragen.

5. Gascoigne klaut Gelbe Karte und erhält selbige

1995 hebt Englands Skandalnudel Paul Gascoigne bei einem Spiel für die Glasgow Rangers die heruntergefallene Gelbe Karte auf, läuft zu Schiedsrichter Dougie Smith – der Unparteiische verwarnt Gascoigne daraufhin wenig humorvoll. Gewiss keine dramatische Fehlentscheidung, aber eben doch ein Bespiel für mangelndes Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters.

4. Helmers Phantomtor wird Nürnberg zum Verhängnis

Es ist der 32. Spieltag der Bundesliga-Saison 1993/94 Obwohl Thomas Helmer (Bayern München) den Ball am Nürnberger Kasten vorbeistochert, entscheidet Schiri Hans-Joachim Osmers nach Absprache mit seinem Assistenten Jörg Jablonski völlig überraschend auf Tor FC Bayern. Nürnbergs Keeper Andreas Köpke fällt völlig vom Glauben ab, kann es nicht fassen. Nach 90 Minuten verliert der Club wegen eines irregulären Treffers mit 1:2. Jablonski, der Osmers dazu riet, den Treffer anzuerkennen, erhielt in den Folgewochen Morddrohungen und beendete seine Laufbahn.

Die Partie wird durch den DFB annuliert und nachgeholt, diesmal wird Bernd Heynemann angesetzt. Der Schiedsrichter aus Magdeburg hat keinerlei Probleme beim Nachholspiel, das die Bayern deutlich mit 5:0 gewinnen. Wenige Wochen später steigt der 1. FC Nürnberg, punktgleich mit dem sich rettenden SC Freiburg, aus der Bundesliga ab. Am Ende fehlte genau dieser eine Punkt zum Nichtabstieg. Helmer, Osmers und Jablonski haben mit ihrem Phantomtor „Geschichte geschrieben“, der „Glubb“ war am Ende einmal mehr der Depp.

3. Thierry Henrys Handspiel gegen Irland

Das wohl berühmteste Hand-Tor nach Maradonas „Hand Gottes“ bei der WM 1986 ist „The Hand of Frog“ (Hand des Frosches), wie irische Zeitungen titelten. Irland war im November 2009 in den Playoffs für die WM 2010 an Frankreich gescheitert. Da Frankreich das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatte und Irland im Rückspiel nach der regulären Spielzeit ebenfalls mit 1:0 führte, ging das Spiel in die Verlängerung. Frankreich entschied diese für sich durch ein Tor, dem ein nicht geahndetes Handspiel – Schiedsrichter war der Schwede Martin Hansson – von Thierry Henry vorausging. Etwa 20 Minuten später hatte sich Frankreich für die Weltmeisterschaft qualifiziert und die Aufregung, die folgte, prägte Henrys ansonsten brillante Karriere, und Frankreichs Qualifikation war getrübt. Sogar sie fühlten Sympathie für ihre Gegner. „Es war eine Schande“, gab Henrys Mitspieler Diarra zu.

Der irische Verband FAI beantragte daraufhin, als 33. Teilnehmer zur WM-Endrunde in Südafrika zugelassen zu werden, war damit aber gescheitert. FAI-Präsident Delaney beklagte, FIFA-Präsident Joseph Blatter habe die Iren für diesen Versuch ausgelacht. Später wurde bekannt: Die FIFA zahlte der FAI 2009 Geld, um ein rechtliches Vorgehen gegen eine Schiedsrichterentscheidung zu verhindern.

2. Simunic erhält 3 Gelbe Karten

Es war die Lachnummer der WM 2006. Beim Vorrundenspiel zwischen Australien und Kroatien verteilte Schiedsrichter Graham Poll aus England reihenweise Gelbe Karten. Neun Mal langte der Referee zu, wobei er dem Kroaten Josip Simunic gleich drei Mal den Gelben Karton vor die Nase hielt. Ein absolutes Novum und Kuriosum gleichermaßen, da man bekanntlich nach der zweiten Gelben vom Platz muss. Der bereits in der 62. Minuten mit Gelb verwarnte Simunic zieht in der 90. Minute gleich zwei Australier zu Boden und bekommt folgerichtig wieder Gelb. Doch Poll zückt entgegen des Regelwerks und unter Protesten des australischen Lagers keine Rote Karte.

Drei Minuten später ist Schluss. Zeit für Simunic, Dampf abzulassen. Natürlich beim Schiedsrichter, der inzwischen aber genug vom Verhalten des damaligen Herthaners hat. Für seinen verbalen Ausfall bekommt er zum dritten Mal den gelben Karton und letztlich auch die Rote Karte hinterher. Poll musste harte Kritik einstecken, allen voran von FIFA-Boss Sepp Blatter. Der Engländer beendete daraufhin seine Karriere.

1. Hand Gottes

Juni 1986 – es läuft das WM-Viertelfinale zwischen den verfeindeten Nationen Argentinien und England. Fast noch schlimmer als der Falklandkrieg ist für die Engländer das Handtor des späteren Weltmeisters Diego Armando Maradona. Eine Flanke buchsierte der kleine Argentinier mit der gehobenen Hand ins Tor von Peter Shilton. Der englische Schlussmann ist mit 1,85 Meter kein Riese, dennoch 20 Zentimeter größer als Maradona. Kurzum: Der Argentinier konnte bei diesem hohen Ball eigentlich nur mit der Hand ein Tor erzielen.

Geboren war die „Hand Gottes“. Den Ausdruck prägte Maradona selbst, als er nach dem Spiel keine Reue zeigte und aller Welt vor laufenden Kameras verkündete: „Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes“. Erst 22 Jahre später zeigte Maradona Reue, nachdem er bereits 2005 zugab, den Ball mit der Hand gespielt zu haben.