• de de
  • en
  • de

The Walking Dead im Fußball hat einen Namen: HSV! Die Hamburger wurden oft totgesagt, kamen allerdings immer wieder zurück und befreiten sich – wenn es sein musste in der letzten Minute des Relegationsrückspiels – aus dem eigens geschaufelten Grab. Auch in der laufenden Spielzeit fehlt doch im Prinzip nur noch der letzte Sargnagel. Dennoch hieven sich die Rothosen von der Elbe dank einer für nicht mehr möglich gehaltenen Leistungsexplosion nochmal ganz dicht an den Relegationsplatz 16.

Womöglich schaffen es die Hanseaten erneut, die Entscheidung um den Abstieg auf die allerletzte Sekunde hinaus zu zögern. Alleine das wäre blanker Wahnsinn! Dafür bräuchte es einen Erfolg der Hamburger am Samstag bei der Eintracht – es wäre der dritte Sieg in Folge. Auszuschließen ist das, angesichts der schwächelnden Phase der Hessen, beileibe nicht mehr. Parallel ist Wolfsburg beim „Plastico“ in Leipzig gefordert. Ein Sieg der seit Wochen desolat auftretenden Wölfe erscheint, trotz der Krise bei RB, geradezu utopisch. Es bahnt sich also ein 34. Spieltag mit einem Bilderbuch-Abstiegsfinale an. Und wir stellen uns die Grätschenfrage:

Kommen die Hamburger aus dem Reich der Untoten tatsächlich zurück?

 

Wenn für den HSV alles zusammenläuft, bewegen sich auch die Nebenschauplätze von Mainz (in Dortmund) und Freiburg (in Mönchengladbach) ins Titz’sche Fadenkreuz. Es spricht Vieles für einen dramatischen Schlussakkord am 34. Spieltag. Zeit, um einen kurzen Rückblick auf die spektakulärsten Abstiegsfinale der letzten 25 Jahre zu werfen.

1994: Die Rettung der Breisgau-Brasilianer

1993 steigt der bis dato von amateurstrukturellen Verhältnissen geprägte SC Freiburg erstmals in die Beletage des deutschen Fußballs auf. Mit kleinem Stadion (15.000 Plätze), geringen finanziellen Möglichkeiten und einem findigen Trainer namens Volker Finke schafft es der kleine Sport-Club sogar den großen FC Bayern zu schlagen. Bis drei Spieltage vor Schluss stehen die Badenser allerdings dort, wo sie jeder erwartet hatte: auf Rang 16, mit vier Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. Es galt noch die Zwei-Punkte-Regel, was das Unterfangen Klassenerhalt geradezu utopisch erschienen ließ. Es folgte jedoch eine sensationelle Aufholjagd mit einem 4:0-Sieg in Stuttgart, einem 1:0 gegen den VfB Leipzig und letztlich sogar einem 2:0-Erfolg beim MSV Duisburg – die aufgrund ihres präzisen Kurzpassspiels als „Breisgau-Brasilianer“ getauften Freiburger hielten die Klasse. Leidtragend war der 1. FC Nürnberg, der aufgrund der schlechteren Tordifferenz abstieg.

1996: Brehme weint in Rudis Armen

Sechs Jahre sind seit dem WM-Triumph von Rom vergangen, da treffen sich die beiden Granden des deutschen Fußball, Andreas Brehmen und Rudi Völler im Leverkusener Ulrich-Haberland-Stadion. Es ist der letzte Spieltag und schon vor Anpfiff steht fest: Einer der beiden steigt ab! Brehmes FCK kommt als 16. zum 14. ans Bayer-Kreuz und muss zwingend gewinnen. Pavel Kuka köpft das 1:0 für Lautern, vergibt später sogar das 2:0. In der 82. Minute kommt Bayer-Verteidiger Markus Münch, schießt den Ball zum 1:1 ins Netz und Lautern in die 2. Bundesliga. Der heutige Bayer-Sportdirektor Rudi Völler spricht später vom „wichtigsten Tor der Vereinsgeschichte“. Weltmeister Völler muss den hemmungslos weinenden Lauterer Andreas Brehme vor laufenden Kameras trösten. Völler bezeichnete den Treffer später als den wichtigsten der Vereinsgeschichte von Bayer Leverkusen.

1998: Gladbachs Aufholjagd

Auf den allerletzten Drücker und nur dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem Karlsruher SC packte die Borussia mit Trainer Friedel Rausch in der Saison 97/98 den Klassenerhalt. Mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen hievten sich die Fohlen auf den rettenden Platz. Stefan Effenberg, der kurz darauf zum FC Bayern wechselte und Peter Wynhoff, der alte Dribbelkönig, sorgten mit ihren Treffern für den hoch umjubelten 2:0-Erfolg der Gladbacher in Wolfsburg. Ein Jahr später war der erste Bundesliga-Abstieg dann jedoch fällig.

1999: Die Mutter aller Abstiegskrimis

„Ich meld mich vom Abgrund“ waren die legendären Worte von Radioreporter-Legende-Günther Koch. Auch zu hören: „Tor in Nürnberg. Tor, Tor, Tor in Nürnberg. Ich pack das nicht, ich halt das nicht mehr aus, ich will das nicht mehr sehen.“ Eine Sternstunde der Radio-Konferenz und auch die neu eingeführte Konferenz bei Pay-TV-Sender Premiere bekam direkt ein Spektakel geboten. Am Ende erwischte es den Club, der vor Anpfiff als Tabellenzwölfter (!) eigentlich die besten Karten auf den Klassenverbleib hatte, verliert aber tragisch mit 1:3 gegen Konkurrent Freiburg. Geradezu unglaublich war dagegen die Rettungsaktion der Frankfurter Eintracht, die praktisch hirntot im Tabellenkeller rumbaumelte: Drei Tore in zwölf Minuten, auf einmal führt die Eintracht 4:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern – und wäre gerettet, weil die Eintracht bei nun gleicher Tordifferenz Nürnberg mehr Tore erzielt hat. Es kommt noch härter: Marek Nikl köppelt in Nürnberg in der 85. Minute zum 1:2 ein, die Eintracht wäre wieder abgestiegen. Und dann bricht in Frankfurt die 89. Minute an: Konter der Hessen, Christoph Westerthaler läuft auf das Lauterer Tor zu, von Ciriaco Sforza bedrängt. Westerthaler fällt, der Ball kommt zum mitgelaufenen Jan Age Fjörtoft. Der Norweger ist im Strafraum allein vor FCK-Keeper Andreas Reinke und setzt zu einem frechen Übersteiger an. Der Rest ist Geschichte. Auch Hansa siegt nach legendärer Aufholjagd (Zaunklettern kann Slawomir Majak!) in Bochum und so rutscht der 1. FC Nürnberg bis auf Platz 16 und steigt ab.

2013: Hoffenheimer Rettungsakt in Dortmund

„Wir waren tot, dann wieder da, dann wieder tot – und jetzt leben wir“, beschrieb Andreas Beck seinerzeit die letzten Zuckungen seiner TSG Hoffenheim, die nach drei Trainerwechseln letztlich doch noch den Klassenverbleib schaffte. Hoffenheim, vor der Partie gegen Borussia Dortmund als Tabellen-17. mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sowie dem schlechtesten Torverhältnis der drei um den Klassenerhalt kämpfenden Mannschaften schon abgeschrieben, hievte sich mit einem nicht für möglich gehaltenem Dreier gegen den Champions-League-Finalisten in die Relegation gegen Kaiserslautern (die letztlich locker gemeistert wurde). Salihovic erzielte in Dortmund mit großer Nervenstärke zwei späte Elfmetertore, und ließ sich auch nicht von Not-Torwart Kevin Großkreutz im Weidenfeller-Trikot irritieren, nachdem der BVB-Stammkeeper mit Rot vom Platz geschickt worden war. Leidtragend: Fortuna Düsseldorf, die am 34. Spieltag erstmals auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen.